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  • Die bunten Mützen auf der Mauer im alten Schulhof

Editorial Nr. 246
Volker Schmidt | 25.02.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

 

die bunten Mützen – wer kennt sie? Wer kennt die Mauer, auf der sie liegen? Wer den Hof, auf den man durch die „Altstadtunterführung“ gelangt? Ja, wer hat sie je benutzt? Wer weiß, dass der Komödienbau, der andere Ausgang der Unterführung, samt dem heutigen „Tommy’s“ einmal Teil des auf der Tafel so genannten „Alten Gymnasiums“ war?

Für den, der 425 Jahre nach der Schulgründung, also anno 1965, dem Jahr des Umzugs des „Alten Gymnasiums“ in die Lessingstraße, als Sextaner die Schule besuchte, liegen die Antworten im Dunkel der Geschichte.

Doch so viel sei verraten: Die 1937 vollendete Unterführung weckte damals sofort in unserem Mitteilungsblatt Erinnerungen an das Jahr 1887. Auf der heutigen Mauerstraße „spazierten dort während der Pause würdige Professoren und Oberlehrer und verzehrten ihr Frühstück, ihnen schloß sich öfters der Direktor Dr. Bernhardt an. Tempora mutantur!“

Die Zeiten ändern sich. Denn können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass diese bunten Mützen – es sind die nach den Schulklassen verschiedenfarbig ausgeführten und mit Bändern verzierten Schülermützen, auf dem Bild in der Mitte der weiße „Stürmer“ der Abiturienten – vor einem Jahrhundert zum Vereinsabzeichen unseres Vereins erklärt wurden?

Heute sind sie es nicht mehr. Wie überhaupt sich manch Anderes in den nun 99 Jahren seit der Vereinsgründung veränderte. Was sich aber über die Zeit bewahrt, erweitert und vertieft hat, ist die enge Verbindung unter uns Mitgliedern, die Verankerung in Stadt und Region sowie nicht zuletzt die intensive Zusammenarbeit zwischen der „Wilinaburgia“ und dem Gymnasium Philippinum.

Freuen wir uns also auf das Vereinsjubiläum 2021. Erste Information finden Sie im Heft.

Übrigens taucht der Name „Philippinum“ erstmals 1927 im Mitteilungsblatt auf. Die Schule ist da schon lange kein herzoglich-nassauisches Landesgymnasium und seit 1918 auch kein königlich-preußisches Gymnasium mehr, sondern „nur“ noch ein ganz gewöhnliches staatliches, wenn auch altsprachliches, Gymnasium, das schließlich 1950 als „Staatl. Realgymnasium und Gymnasium“ den Namen „Philippinum“ erhalten wird.

Tempora mutantur.

Und 100 Jahre sind eine lange Zeit. Und Zeit sich zu erinnern, dass mit dem 1901 geborenen Werner Herz ein junger Mann für ein Jahrzehnt in vielen Vereinsfunktionen zur Gründergeneration gehörte. 1935 kam er seinem Ausschluss aus dem Verein mit seinem Austritt zuvor. Im Dezember 1943 wurde er in Auschwitz ermordet.

Auch an die jüdischen Vereinsmitglieder und weitere Verfolgte des Nationalsozialismus wird beim Jubiläum erinnert werden.

Und wie Zeitläufte sich und wir uns verändern, wurde schlagartig klar, als das letzte Heft erschien. Die Abiturientenrede löste aus gutem Grund eine Welle der Empörung aus, die Sie in diesem Heft verfolgen können. Mehr noch. Professor Werner Link und Professor Peter Thiergen betrieben Ursachenforschung und kommen zum Ergebnis, dass die aktuelle „Kompetenzorientierung“ des Unterrichts, die natürlich vom Schulleiter vertreten wird, das Ihre zu dem unsäglichen Vergleich der Schule mit einem Schlachtfeld, konkret mit Stalingrad, beigetragen habe. Was aber, frage ich mich, wäre gewesen, wenn der Redner von der Schlacht bei Belle-Alliance, der Schlacht von Waterloo also, gesprochen hätte, um eine andere, früher (!) gern zitierte Schlacht ins Feld zu führen?  Aber kennt der Redner die Bedeutung dieser Schlacht überhaupt noch? Die Auseinandersetzung zu verweigern, ist sicher nicht der Weg, fragwürdige Positionen zu entlarven. Als Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums sollten wir gelernt haben, zu diskutieren.

Vieles hat sich aber seit der Vereinsgründung 1921 im Kern nicht verändert. Dazu gehört die Bitte der Schriftleitung um Beiträge. Diesmal ist Professor Erwin Suess ein Beispiel, das noch dazu anregt, unsere Sprachkenntnisse zu überprüfen. Dazu gehört die Bitte des Vorstands, sich aktiv am Vereinsleben zu beteiligen. Dazu besteht nicht nur beim Vereinsjubiläum Gelegenheit. Insbesondere der Vorstand freut sich, wenn sich Menschen finden, die mitarbeiten möchten.

Freuen Sie sich nun aber erst einmal auf die Lektüre des neuen Heftes.

 

Volker Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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